Testbericht WR250R Motorradfahrer 05/08

Motorradfahrer 05/08

Testbericht WR250R Motorradfahrer 05/08

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Mit der neuen 250er-Viertakt-Enduro steuert Yamaha ein heißes Gerät für Geländegänger bei.

Für die Jugend zu leicht

Mit der neuen 250er-Viertakt-Enduro steuert Yamaha ein heißes Gerät für Geländegänger bei.

Vor der Yamaha erhebt sich ein Steilhang, zerklüftet wie die Eiger-Nordwand. Es hilft nichts, da muss sie rauf! Den Gasgriff auf Anschlag, arbeitet sich der 250er Viertakter verblüffend mühelos den Hang hoch. Das Vorderrad steigt nicht unkontrolliert und das Hinterrad dreht nicht durch, wie es bei leistungsstärkeren Enduros jetzt der Fall wäre. Endlich wieder eine 250er!

Sieht man von den zulassungsfähigen Geländesportlern einmal ab, gähnt seit einigen Jahren auf dem deutschen Enduro-Markt zwischen 125 und 600 Kubik eine Lücke. Jetzt wagt Yamaha, sie mit der topmodernen WR zu füllen, die eigentlich das Zeug für viel mehr hätte. Denn die 250er Enduro würde perfekt in den Stufenführerschein passen, ohne um die Hälfte ihrer PS beschnitten zu werden oder vier Zentner schwer zu sein. Unsinnigerweise schiebt der Gesetzgeber dem einen Riegel vor: Die neue WR ist zu leicht! Für den Führerschein Klasse »A beschränkt«, ist ein Mindestgewicht von 6,25 Kilogramm pro Kilowatt vorgeschrieben. Die WR 250 R wiegt laut Zulassung 134 Kilo. Für achtzehnjährige Motorradneulinge müsste sie aber mit der ebenfalls in den Papieren vermerkten Leistung von 23 kW mindestens 143,75 Kilo auf die Waage bringen oder 1,56 kW (2,1 PS) weniger Power haben. Und Yamaha bietet keine entsprechende Drosselung an – eine verpass te Chance, jammert doch die Motorradindustrie über ausbleibenden Nachwuchs.

Dabei hat man viel Aufwand um den Viertelliter-Offroader betrieben. Die R ist keine gedrosselte Version der Wettbewerb-Enduro WR 250 F, sondern eine Neuentwicklung. Für das Triebwerk waren nur feinste Zutaten gut genug: Zwei Nockenwellen betätigen vier Titan-Ventile im dachförmigen Brennraum, in dem das Gemisch vom leichten Schmiedekolben, der in einem keramikbeschichteten Zylinder läuft, auf 11,8 : 1 verdichtet wird. Zehntausendmal pro Minute rotiert die Kurbelwelle, bevor die Spitzenleistung von gut 31 PS anliegt. Das Benzin gelangt per Einspritzanlage in den Verbrennungstrakt. Als wäre das immer noch nicht genug für den Single, kommt ein Sekundärluftsystem zur Nachbehandlung der Abgase zum Einsatz, bevor diese in die Auspuffanlage mit Auslasssteuerung und Lambda-geregeltem Katalysator gelangen.
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Fazit:
Anhieb durch den gut abgestimmten Motor und das aufwendige Fahrwerk. Auch wenn sie leider nicht Stufenführerscheintauglich ist, dürf ten junge Enduro-Fans die 250er-Yamaha dankbar annehmen. Fortgeschrittenere Semes ter, die ein alltagstaugliches Spaßgerät für das Gelände suchen, übrigens auch.

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